Grundsätzlich hat jedes Volk der Welt ein Recht auf einen eigenen Staat und das Recht über sein Schicksal selbst zu bestimmen. Das gilt selbstverständlich auch für das jüdische Volk.
Die Frage ist jedoch, wie man dieses selbstverständliche Recht umsetzt ohne dabei die Rechte anderer Völker zu beeinträchtigen. Bei des eskalierenden Überbevölkerung der Erde stellt sich heute diese Frage dringender denn je.
Doch im Jahre 1948 bei der Gründung des Staates Israel gab es weniger als halb so viel Menschen als heute auf der Welt. Mit etwas guten Willen wäre es damals sicher möglich gewesen, eine Lösung für den neu zu schaffenden Staat Isreal zu finden, die es jenem ermöglicht hätte von Anfang an in Frieden mit seinen Nachbarn leben zu können.
Offen gesagt, wenn ich Jude wäre, würde ich mir wünschen, dass mein Volk und ich in Ruhe und Frieden leben könnten, aber das müßte nicht ausgerechnet da sein, wo meine Vorfahren vor 2000 Jahren gewohnt haben. Wer will das denn eigentlich so genau tatsächlich wissen? Das Britische Empire war damals noch riesengroß, und mit etwas gutem Willen hätte man bestimmt einen Ort finden können, an dem die Juden ihren Staat hätten gründen ohne in die Rechte anderer Völker eingreifen zu müssen. Zumindest hätten sich aber die Juden von Anfang an mit den arabischen Einwohnern Palästinas friedlich und einvernehmlich über die Staatsgründung Israels einigen müssen. Gegebenenfalls hätten die Juden den Palästinensern Entschädigung für ihr Land zahlen sollen, was zudem unter dem Strich immer noch billiger gekommen wäre, als seit über 60 Jahren Krieg zu führen.
Doch leider wurde 1948 dieses Chance vertan. Sicherlich, die Juden standen damals noch unter dem Schock des erst kurz zuvor beendeten Nazi - Völkermordes, dem sie zum Opfer gefallen waren. Daher wollten sie so schnell wie möglich eine Lösung, die ihnen Schutz verspricht, dass sich solche Ereignisse niemals wiederholen werden. Doch der Erfolg ist fraglich, denn das Ansehen Isreals ist in der Welt - formulieren wir es einmal so - recht umstritten. Da der aufgeblähte Militärhaushalt Unsummen verschlingt, wäre Israel ohne ausländische Hilfe, vor allem aus den USA, überhaupt nicht lebensfähig. Das ist keine gesunde Existenzgrundlage für ein modernes Industrieland.
Erschwerend kommt hinzu, dass Israel ein enorm hohes Bevölkerungswachstum, vergleichbar mit einem Entwicklungsland, aufzuweisen hat, derzeit etwa 2,4 % p. a.. Die eskalierende Überbevölkerung Palästinas schürt zudem das Gewaltpotential der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung. Dazu kommen immense wirtschaftliche Probleme. So kann man nicht zu einer friedlichen Lösung kommen.
Linke Kritiker sehen im Staat Israel das letzte Bollwerk des Kolonialismus und Imperialismus, der das Land der Araber fremdbestimmt hatte ohne dabei Rücksicht auf die Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerung genommen zu haben.
Die israelische Atomrüstung bedroht zudem die Sicherheit nicht nur der Region im Nahen Osten, sondern auch Europa, da ein möglicher Atomkrieg nicht regional begrenzt werden könnte. Zudem hat Israel damit eine gefährliche Spirale der atomaren Aufrüstung dieser konfliktbelasteten Region in Gang gesetzt. Solange Israel nicht auf seine Atomwaffen verzichtet, wird man z. B. dem Iran das Recht auf eigene Atomwaffen nicht absprechen können. Dabei machte die Atomrüstung selbst aus israelischer Sicht keinen Sinn, denn Israel könnte sich nur zum Preis seiner eigenen Selbstvernichtung mit Atomwaffen "verteidigen".
Toleranz muß Grenzen haben, und diese Grenzen werden überschritten, wenn ein Land seine Nachbarn mit Atomwaffen bedroht, wofür es keine "edle" Motive geben kann. Zudem ist Israel auch von seiner inneren Struktur her kaum besser als seine benachbarten arabischen Staaten. Israel ist ein reaktionärer Kirchenstaat, der das gesamte Leben seiner Bevölkerung reglementiert, angefangen von der dreijährigen Wehrpflicht für Männer und Frauen bis hin zu einer streng religiösen Ordnung. Für liberale Juden ist es nicht zumutbar, in Israel leben zu sollen.
Warum sich die USA so sehr für Israel engagieren?
Der Unterschied der Einstellung der europäischen Staaten, denen man eher eine distanziertere Solidarität gegenüber Israel nachsagen kann, zu den USA ist schon auffällig. Man mag das pragmatisch sehen, denn arabisches Öl ist für uns nun einmal wichtiger als israelische Apfelsinen. Andererseits sind wir Europäer auch geographisch näher am Konfliktherd Naher Osten und damit stärker betroffen.
Die möglichen Gründe für das Engagement der USA für Israel:
* Die USA wollten die Juden selbst loswerden und unterstützen deshalb den Staat Israel. Falls Israel untergehen sollte, würden die meisten Israelis in die USA auswandern.
* Die Juden haben in den USA überproportional großen Einfluß auf politische und wirtschafliche Entscheidungen.
* Viele religiöse Amerikaner würden sich für ihre laizistischen USA ein ähnlich theokratisches System wie in Israel wünschen und sehen daher gewissermaßen Israel als Vorbild an.
Auffallend ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass in der Anfangszeit auch die alte Sowjetunion eine recht pro - israelische Einstellung vertrat, in der zunächst nicht ganz unbegründeten Hoffnung, dass sich in Israel ein sozialistisches Wirtschafts- und Gesellschaftssystem etablieren könnte. In der Tat gab es in Israel vielfach Organisationen, die mit den alten LPGs der DDR (Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften) in etwa vergleichbar waren. Doch diese Hoffnungen zerschlugen sich schon nach einigen Jahren, denn der Idealismus der ersten zionistischen Siedler konnte sich nicht durchsetzen.
Wie könnte eine vernünftige Lösung für die Zukunft aussehen?
Ich denke, dass kein Weg daran vorbei führen wird, Palästina wieder an seine rechtmäßigen Eigentümer zurück zu geben und den Staat Israel an anderer Stelle neu zu gründen. Das wäre zwar heute schwieriger und erheblich teurer zu bewerkstelligen als im Jahre 1948, aber letzten Endes führt kein Weg daran vorbei, wenn wir endlich Frieden im Nahen Osten haben wollen.
Israel muß lernen, Rücksicht auf seine Nachbarn und den Rest der Menschheit nehmen zu müssen und den echten Willen zeigen, sich in die Reihe der friedliebenden Länder einreihen zu wollen.
Die Stadt Jerusalem müßte ein eigener Freistaat werden mit garantierten Zugang für alle Christen, Moslems und Juden, die dort ihre religiösen Kulthandlungen verrichten möchten. So könnte die Stadt der Konflikte zu einem Ort des gegenseitigen Begegnens und des religiösen Friedens werden. Alternativ bietet sich natürlich auch die Möglichkeit an, Jesrusalem zu evakuieren und anschließend zu zerstören. Jerusalem soll entweder allen gehören oder niemanden.
Für das deutsch israelische Verhältnis wünsche ich mir eine Normalisierung der Beziehungen, wie sie vor 1933 bestanden haben. Der jüdischen Kirche in der Bundesrepublik muß der Status einer Organisation des öffentlichen Rechtes und die steuerliche Gemeinnützigkeit - so wie allen anderen Kirchen auch - aberkannt werden, die Wiedergutmachungszahlungen sollten so bald wie möglich eingestellt werden.
Bei Umsetzung dieser Vorschläge würden Antisemistismus und Antizionismus schon bald keine Rolle mehr spielen.